Diet Blueprint

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Detox

Inhaltsverzeichnis

Detox-Produkte, sowie spezielle Entgiftungsprogramme, erwachen jedes Frühjahr erneut zum Leben. So viele Menschen testen unterschiedlichste Entgiftungskuren aus, dass sich mittlerweile auch die Forschung gezwungen sieht, sich mit dem Thema auseinander zu setzen. Denn ob das, was der Name Detox verspricht, am Ende auch wirklich eintritt, ist mit einem einfach „ja“ oder „nein“ nicht zu beantworten. 

Was ist Detox?

Detox bezeichnet das Entgiften des Körpers. Bei den meisten Produkten handelt es sich um spezielle „Entgiftungs“-Kuren von mehreren Tagen. Die häufigsten angegebenen Gründe für den Einsatz einer solchen Detox Therapie sind:

  • Belastungen durch Schadstoffen
  • Prävention
  • Darmerkrankungen
  • Autoimmunerkrankungen
  • Entzündungen
  • Fibromyalgie
  • chronisches Erschöpfungs-Syndrom
  • Gewichtsreduktion.

Der Ablauf ist simpel. Der Körper soll von innen gereinigt werden und möglichst viele Schadstoffe und Giftstoffe heraus transportieren. Auf diese Weise soll das Fettgewebe schrumpfen und das Wohlbefinden erhöht werden [1]. Was zunächst gar nicht so schlecht klingt, erhält einen faden Beigeschmack, wenn man genauer darüber nachdenkt. Bedeutet das im Umkehrschluss, dass in unserem Körperinneren Unmengen an giftigen Chemikalien lagern? Von welchen Schadstoffen reden wir hier also genau beim Thema entgiften?

Giftstoffe im Körper

Hier beginnt das erste Problem mit Detox Produkten: Kein Hersteller von solchen Programmen oder Produkten kann wirklich exakt sagen welche Stoffe es denn nun sind, die im Körper sind und ausgeschieden werden sollen. Und nicht nur das: Wenn Stoffkategorien genannt werden unterscheiden diese sich von Hersteller zu Hersteller. Wirken die ganzen Produkte einfach nur anders?

Jedes Jahr kommen auf jeden Fall neue Chemikalien in den Umlauf und alleine in den USA und der EU sind momentan über 80.000 verschiedene Substanzen im Einsatz. Einige Beispiele für diese Stoffe sind unter anderem Zigarettenrauch, Schwermetalle oder Mikroplastik. Es ist also nicht verwunderlich, dass unser Köper kontinuierlichem „Stress“ durch die Schadstoffbelastung ausgesetzt ist, oder? Was können wir jetzt aber gegen diese Belastung unternehmen? Beziehungsweise – Müssen wir etwas dagegen unternehmen?

Glücklicherweise ist unser Körper von Anbeginn der Zeit schädlichen Substanzen ausgeliefert. Und auch von Anbeginn der Zeit gibt es ein effektives Schutzsystem in uns. 

Der Körper macht Detox

Der Schutzprozess beginnt mit der obersten Hautschicht. Hier werden schädliche Substanzen mechanisch abgehalten. Genauso läuft es in der Nase und sämtlichen Eingängen zu unserem Körper ab. Schleimhäute halten Mikroorganismen oder kleinere Partikel auf. Natürlich ist dieser Schutz nie 100% sicher, weshalb es noch das Immunsystem gibt. Es hilft Krankheitserreger in Form von Viren oder Bakterien abzutöten, wenn sie sich in den Körperflüssigkeiten befinden. Auch die Lymphknoten und der Darm helfen dabei, Schädlingen und toxischen Substanzen keinen Einlass in den Körper zu gewähren.

Doch was, wenn es die Schwermetalle, Abgase oder Sonstiges doch in den Körper schaffen? Auch hierfür hat sich die Evolution etwas ausgedacht!

Unsere Leber dient als primäres „Entgiftungsorgan“. Es ist eine Art Filter, durch welchen alle ins Blut aufgenommenen Stoffe hindurchmüssen. In der Leber werden zahlreiche Moleküle hergestellt, welche uns beim Entgiften helfen [2]. Vor allem „Metallothioneine“ helfen als kleine Proteine körperfremde Schwermetalle wie Cadmium, Quecksilber, Kupfer und Zink zu binden [3]. Weiterhin werden viele der Substanzen zu weniger schädlichen Stoffen umgewandelt. So wird Arsen im Körper beispielsweise methyliert, um die toxische Wirkung zu reduzieren. [4]

Struktur der Metallothioneine in der Leber, die Schwermetalle binden können

Die Schadstoffe einfach zu binden reicht jedoch nicht aus. Ein wahrer Held in unserem Körper ist daher die Niere, da sie für die Ausscheidung der Schadstoffe zuständig ist. Pro Tag wird ca. 180 Liter Primärharn gebildet. Aus diesen 180 L wird so viel Wasser und andere Stoffe wie Elektrolyte zurück in den Körper gezogen, dass am Ende nur noch ca. 1,5 Liter pro Tag vorliegen. In dieser geringen Menge befindet sich eine aufkonzentrierte Lösung in der unter anderem Stoffe enthalten sind, die der Körper nicht will/braucht. Zusammen mit dem Harn werden so auch die meisten Schadstoffe ausgeschieden, welche unserer Gesundheit so große Probleme bereiten. Viele Stoffe werden an wasserlösliche Substanzen gebunden und ausgespült.

Detoxprodukte

Welche Detoxprodukte können denn trotzdem eine zusätzliche „Entgiftung“ gewährleisten? Tatsächlich ist diese Frage nur sehr schwer zu beantworten, da die meisten Produkte keine Auskunft darüber geben, um welche Stoffe es sich bei der Entgiftung handelt. Auch die in den Produkten enthaltenen Wirkstoffe werden nicht genannt und daher sind auch keine Wirkmechanismen bekannt. Und wissenschaftlich geprüft wurden bisher erst äußerst wenige Detox Programme – und das Fazit fällt schlecht aus.

Das einzige umfangreich klinisch getestete Detox Produkt ist das Hubbard Purification Rundown vom Scientology Gründer L. Ron Hubbard. Es sollte vor allem die Helfer nach der 9/11 Krise unterstützen, da diese hohe Chemikalienkonzentrationen abbekamen. Das Programm beinhaltete sehr hohe Mengen des Vitamins Niacin (100 mg – 5 g), ungesättigte Fettsäuren, sowie verschiedene andere Mikronährstoffe, aber auch Saunagänge und körperliche Aktivität. Es sollte dazu dienen Strahlung aus dem Körper zu bekommen und giftige Substanzen auszuleiten. Die Ernährung konnte so weitergeführt werden, wie bisher. 14 Feuerwehrmänner mit schweren Gedächtnisbeschwerden zeigten eine deutliche Verbesserung nach der Anwendung. Dieselbe Prozedur kam nochmals im Rahmen von Scientology bei 103 Freiwilligen zur Anwendung. Hier wurde außerdem eine Reduktion des Blutdrucks, der Cholesterinwerte und eine Verbesserung des psychischen Wohlbefindens dokumentiert. Auch wenn diese Studie zahlreiche Probleme aufweist, was die Durchführung und das Studiendesign angeht, sind die Effekte doch recht eingänglich, wenn man sich die Hauptpunkte der Intervention ansieht. Sport, Wellness und „gesunde“ Ernährung. 

Auch wenn hier Vorteile beobachtet wurden, muss eines gesagt sein (und das trifft für alle Detox Kuren zu): Wenn positive Effekte beobachtet werden, liegt das nicht an dem Detox-Produkt, sondern an den Lebensstil-Veränderungen die zusätzlich vorgenommen werden. Wenn verstärkt Sport betrieben wird und man Gewicht reduziert, erreicht man all diese Effekte auch ohne die Einnahme solcher Diätprodukte.

Eine Auflistung anderer bekannter Detox-Kuren mit Ernährungsplan und vermeintlichem Ergebnis.

Wie wirken Detox Produkte?

Wenn der Körper also selbst seinen Entgiftungsapparat hat, wieso zeigen dann manche dieser Programme doch eine Wirkung? Tatsächlich zeigen viele Erfahrungsberichte, dass eine Detox-Kur das Wohlbefinden steigern kann und auch nachhaltig einige Vorteile bereithält. Du kennst mit Sicherheit jemanden, der schonmal eine Detoxkur gemacht hat und begeistert war oder? Und dann kann man ja meinen „wer heilt hat recht“, oder?

Die positive Wirkung auf unser Wohlbefinden liegt vor allem an 3 Faktoren:

  1. Die besseren Gesundheitsparameter gehen in erster Linie auf die starke Kalorienrestriktion mancher Kuren zurück. Wenn außer den Produkten nichts gegessen wird, machen wir quasi eine Crashdiät (=extrem starkes Kaloriendefizit). Der resultierende Abbau von Fettmasse wirkt sich letztlich positiv auf das Körpergewicht und bei den meisten auch auf das Lebensgefühl aus. Auch viele Blutparameter werden somit kurzfristig optimiert. Hier sollte man jedoch darauf achten, dieses starke Kaloriendefizit nicht zu lange aufrecht zu erhalten, da zum einen wichtige Nährstoffe nicht zugeführt werden und die langfristigen Folgen problematisch sein können. Der Grundumsatz des Körpers kann nach einiger Zeit darunter leiden kann und der Körper baut verstärkt Muskulatur ab, was den Jojo Effekt begünstigt.
  2. Die hohe Flüssigkeitszufuhr bei derartigen Kuren führt selbstverständlich zu einer zunehmenden Harnbildung, was den gewünschten Effekt des „Entgiftens“ suggeriert. Die Nieren arbeiten mehr und mehr Harn wird Produziert. Das heißt nicht, dass gleichzeitig mehr „Giftstoffe“ entfernt werden. Aber alleine mehr Flüssigkeitszufuhr fördert bei vielen schon das Wohlbefinden.
  3. Viele Detox-Kuren basieren auf verschiedenen Kräutermischungen oder auf Lebensmitteln mit potenziell positiven Effekten für die Gesundheit. Es gibt Säuren, Ballaststoffe und Algen, welchen gesundheitsförderliche Wirkungen zugesprochen werden:
    1. Apfelsäure (Wein & Trauben)
    2. Zitronensäure (Zitrusfrüchte)
    3. Bernsteinsäure [5] (Apfel & Blaubeeren)
    4. Zitrus Pektin (Schale der Zitronen)
    5. Chlorella [6] (Grünalge)  

Für die Aluminiumausscheidung (insbesondere aus den Knochen, da dies der primäre Speicherort ist) waren vor allem Apfelsäure, Bernsteinsäure und Zitronensäure äußerst effektiv. Da die getesteten Mäuse 50 mg/kg statt den maximal empfohlenen 2 mg/kg Aluminium erhalten haben, bleibt jedoch wieder zu hinterfragen, ob ein Effekt im Menschen auftreten würde, da dieser niemals so hohe Konzentrationen von Aluminium im Körper aufweist. Eine weitere Möglichkeit die Aluminiumansammlung zu vermeiden ist die Aufnahme höherer Mengen an Calcium, Magnesium und Eisen, da Mangel bei diesen Elementen die Ansammlung im Knochen erhöhen kann. [25]

Koriander konnte z.B. Cadmium Ansammlungen in der Leber um 20-30 % senken. Auch in Bezug auf eine Bleivergiftung bei Mäusen konnte Koriander klare Verbesserungen bringen. Man vermutet, dass Substanzen wie Zitronensäure und Phytate im Koriander für die positiven Effekte verantwortlich sind [26,27]. Auch hier ist zu sagen: wir haben keine Daten für den Menschen.

Chlorella bestätigte in vielen Tierversuchen bereits die positiven Eigenschaften bezüglich der vereinfachten Exkretion von Quecksilber und Blei. Die Alge besitzt natürliche Mengen an Methallothioneinen, welche helfen die Schwermetalle zu entfernen [28, 29]. Eine weitere Methode um Quecksilber effektiv aus dem Körper zu entfernen, besteht in der Supplementierung von Selen [30, 31]. Obwohl auch hier der Prozess nicht vollständig geklärt ist, zeigen sich vor allem in Tieren, aber auch in einigen Experimenten an Menschen, dass die Quecksilberausscheidung im Urin und die Konzentration in den Haaren niedriger war. 

Letztendlich sollte man, wenn man sich zu diesen Produkten entscheidet, darauf achten, weiterhin genügend Kalorien zuzuführen und alle essenziellen Nährstoffe aufzunehmen. Detox soll keine Crash Diät sein, sondern dir dabei helfen dich wohler zu fühlen. 

Gewichtsreduktion

Allzu oft werden die Kuren auch für reine Gewichtsreduktionen herangezogen. Eine Reduktion des Körpergewichts wird erfolgreich, wenn man es schafft über einen längeren Zeitraum seine Kalorienaufnahme unter dem Kalorienverbrauch zu halten. So ergibt sich ein Energiedefizit, welches gefüllt wird, indem Kalorien in Form von Körpergewebe (hauptsächlich Fettgewebe) herangezogen werden.

Häufig wird behauptet, die Schadstoffe im Körper würden verhindern, dass Körperfett abgebaut werden kann. Die Gewichtsreduktion nach der Diät soll die Aussage demnach bestätigen, da durch die ausgeschwemmten Giftstoffe nun das Fett verbrannt wurde. 2015 wurde in einer Studie mit Hilfe von Kontrollgruppen bei der 7 tägigen „Lemon Diet“ gezeigt, dass die reine Kalorienbilanz dafür verantwortlich war, dass die übergewichtigen Frauen Gewicht verloren. [7]

Generell kann auch gesagt werden, dass sich diese Kuren nur als kurzfristiges Abnehm-Progamm eignen und definitiv keinen gesundheitlichen Nutzen mitbringen. Häufig kommt es zu einem Jojo-Effekt aufgrund des starken Muskelverlusts, welcher einen an den Startpunkt oder noch weiter dahinter befördert. Somit sollte man sich beim Thema Abnehmen lieber an eine gesunde und nachhaltige Methode halten. 

Die Toxine

Ob man bei diesen körperfremden Stoffen nun von Toxinen reden muss sei einmal dahingestellt. Auch in so mancher „Fachliteratur“ werden natürliche, körpereigene Stoffe wie Milchsäure oder Enzyme als „toxins“ bezeichnet. Toxine – also Gifte – sind in allererster Linie als von anderen Lebewesen produzierte schädliche Substanzen definiert. Bei Detoxprodukten den Begriff „Toxine“ zu verwenden hat höchstens gutes Marketingpotenzial.

Der Gedanke beim Detox ist, dass sich die schädlichen, körperfremden Substanzen in unserem Körper ansammeln – insbesondere im Fettgewebe – und ihn somit von innen langsam schädigen. Folgen sind unter anderem Kardiovaskuläre Erkrankungen, Endokrine Störungen oder Stoffwechselerkrankungen sowie Krebs [8]. Die Detox-Kur soll dem Körper helfen weiter Schadstoffen fernzuhalten und zweitens die vorhandenen Schadstoffe aus ihm heraus zu befördern [9]. Im Folgenden werden die wichtigsten Schadstoffe aufgelistet, mit denen unser Körper zu kämpfen hat. 

POPs

Bei einigen Stoffen ist das Gefahrenpotenzial bereits wissenschaftlich bestätigt. Zum Beispiel können sich sogenannte Persistent organic pollutants (POPs) im Fettgewebe des Körpers ansammeln und sind in hoher Konzentration giftig. [10,11] Der Einsatz von POPs wird seit Jahren immer weiter reduziert. Dennoch gibt es kaum Lebensmittel, welche nicht zumindest geringe Mengen der Kontamination aufweisen [12]. Da auch unbekannt ist, welche Konzentrationen von POPs schädlich sind, ist ungewiss, ob eine komplette Vermeidung von POPs überhaupt noch weitere gesundheitliche Vorteile bringen würde. Experten gehen generell davon aus, dass der Einfluss der Chemikalien in der Umwelt keine nennenswerten Schäden für den menschlichen Körper aufweist. [13] Bei einem Experiment mit Mäusen konnte gezeigt werden, dass durch eine Gewichtsreduktion die POPs im Fettgewebe wieder in die Zirkulation gelangen. [14] Jedoch zeigte sich, dass sich die POPs dadurch einfach in anderen Geweben anlagern, statt mit dem Urin ausgeschieden zu werden. Wir sehen also, dass die häufige Behauptung „Schadstoffe müssen aus den Zellen gebracht werden“ nicht immer sinnvoll ist.

Phthalate

Phthalate werden vor allem in Kosmetika, Nahrungsverpackungen und Plastikprodukten verwendet. Da sie in Labortieren zu Reproduktionsproblemen und Entwicklungseinschränkungen geführt haben [15], werden auch die Phthalate immer stärker beobachtet und der Gebrauch stark eingeschränkt. Für Menschen wurden bereits antiandrogene Effekte gefunden [16]. 

Bisphenol A

BPA ist in Deutschland der wohl bekannteste „Weichmacher“. Es wird vor allem in Plastikverpackungen für Getränke und Lebensmittel eingesetzt und wird mit zahlreichen gesundheitlichen Problemen in Zusammenhang gebracht [17, 18]. In den meisten Läden gibt es allerdings schon Plastikflaschen, welche vollkommen BPA-frei sind. Auch sind die Konzentrationen des Weichmachers als unbedenklich für die Gesundheit eingestuft. Und obwohl die Halbwertszeit von BPA in Menschen unter 12 h liegt, ist es doch durchgehend in über 90 % der Bevölkerung vorhanden, da unsere Lebensmittel größtenteils mit Plastik in Kontakt sind. 

Schwermetalle

Quecksilber, Blei, Cadmium, Arsen und Aluminium gehören ebenfalls auf die Liste der schädlichen Chemikalien, welche regelmäßig durch die Nahrung aufgenommen werden. In Bezug auf Arsen kamen in den letzten Jahren immer wieder Berichte auf, die vor allem vor Reisprodukten wie Reiswaffeln warnten (10-420 µg/kg Reis). Die Arsenbelastung der Nahrung ist abhängig von der Region. Bangladesch ist beispielsweise stark betroffen. Wenn Konzentrationen von 50-100 µg/L im Trinkwasser auftreten, werden gesundheitliche Beeinträchtigungen in Betracht bezogen. [19,20] Für Quecksilber zeigt sich, dass die meisten Personen Konzentrationen im detektierbaren Bereich haben, die allerdings nicht zwangsläufig schädlich sind. [21] Auch Aluminium wird über die Nahrung oder auch Kosmetikartikel aufgenommen. Hier wird eine Konzentration von 30 mg/Kg Körpergewicht pro Tag als kritische Schwelle angegeben. Auch die durchschnittliche Konzentration für Cadmium liegt in einer normalen Ernährung unter dem empfohlenen Limit [22]. 

Können wir den Körper entgiften?

Das ist eigentlich die wichtigste Frage. Und eigentlich ist die Antwort relativ klar – nein. Wir können durch zusätzliche Produkte den Körper nicht entgiften. Wenn es anders wäre, hätten wir Daten, die das belegen würden.

Stellen wir uns vor, ein Hersteller von Detox-Produkten will die Wirksamkeit seiner Produkte beweisen (so wie auch jedes andere Produkt erstmal getestet wird und auf seine Wirksamkeit überprüft werden sollte). Der Hersteller sucht also 100 Leute und nimmt Urinproben. Diese Proben untersucht er jetzt auf die giftigen Stoffe, die entfernt werden sollen. Hier kommt Problem 1 zu tragen: niemand weiß so wirklich, welche Stoffe bei den Produkten eigentlich aus dem Körper entfernt werden sollen. Aber angenommen der Hersteller wüsste, was sein Produkte kann, dann könnte er die Konzentration der Stoffe im Urin messen. Als nächstes gibt der Hersteller den 100 Leuten das Detoxprodukt. Der restliche Lebensstil soll genau so laufen wie bisher. Denn wenn bei der nächsten Messung beträchtliche Unterschiede im Urin vorliegen, liegt es definitiv am Produkt und eben nicht am veränderten Lebensstil. Bei der nächsten Urinmessung müsste die Menge an giftigen Stoffen im Urin also deutlich höher sein, da diese ja jetzt ausgeschwemmt werden. Ein ziemlich einfacher und nicht wirklich kostenintensiver Versuchsaufbau also. Und was sagen uns die Daten? Nichts – denn so eine Studie wurde nie veröffentlicht. Entweder weil kein Hersteller solcher Produkte Lust hat zu testen, ob das Produkt überhaupt funktioniert, oder einfach weil nie ein nennenswertes Ergebnis entstand.

Tipps zum Entgiften

Ein paar einfache Tipps zum Thema „Entgiften“ möchte ich euch natürlich nicht vorenthalten. Wer daran interessiert ist, seinen Körper einmal von allem schädlichen zu befreien muss nicht zwingend zu teuren Produkten greifen oder Online-Programme heranziehen.

  1. Tipp Nummer 1 ist Trinken! Der Grundsatz von Detox ist, seinem Körper viel Flüssigkeit zuzuführen, damit er über die Flüssigkeit viele Schadstoffe ausscheiden kann. Vor allem Kräuter Tees oder selbstgemachte Limonaden mit Ingwer und Zitrone oder Gurke bieten sich hier an, um noch wichtige sekundäre Pflanzenstoffe aufzunehmen und den Geschmack etwas zu verbessern. Wichtig hierbei ist es nicht zu übertreiben. Zu viel Wasser ist nicht nötig und kann bei sehr hoher Zufuhr zu Hyponatriämie führen. Deine Natriumkonzentration im Körper sinkt stark ab und kann schwere gesundheitliche Folgen mit sich bringen.
  2. Ein weiterer interessanter Tipp (der allerdings höchst fragwürdig zu beurteilen ist) ist der Gang in die Sauna. Studien (die vor allem in Journals für alternativmedizinische Themen publiziert wurden) haben gezeigt, dass regelmäßiges saunieren dabei helfen könnte, Schwermetalle aus dem Körper zu entfernen (Ähnlich dem Hubbard Purification Rundown Programm, das wir vorhin erwähnten). Durch die Saunagänge konnten sogar geringe Mengen an unerwünschten Schwermetallen über den Schweiß nach außen abgeführt werden [32,33]. Da es keine große Anzahl an Studien zu diesem Thema gibt und auch keine in anerkannten, seriösen Journalen muss ich klar sagen, dass dies kein Beleg für die Wirksamkeit von Saunagängen ist!
  3. Als letzten Tipp empfehle ich regelmäßige Bewegung und gesundes Essen. Es nützt nichts Schadstoffe aus dem Körper zu entfernen, wenn wir sie regelmäßig wieder zu uns nehmen. Deshalb setzt vor allem auf Bio-Produkte und naturbelassene Zutaten und lasst die Finger von Fertigprodukten mit Plastikummantelung. Sport hilft dem Körper die Schadstoffe die sich im Fettgewebe ansammeln freizusetzen und auszuscheiden. Ein aktiver Lebensstil hilft gleichzeitig dabei das Wohlbefinden zu erhöhen, den Stoffwechsel anzukurbeln und nachhaltig fit und gesund zu bleiben. 
  4. Mach dir mal generell keinen Stress wegen Entgiften. Wären die Mengen, denen du ausgesetzt bist wirklich problematisch, solltest du längst beim Arzt sitzen, anstatt hier den Artikel zu lesen. „Die Dosis macht das Gift“ – denk da immer dran. Ja, wir haben problematische Stoffe im Körper. Sie werden aber nicht zum Problem, wenn sie in diesen verschwindend geringen Mengen vorliegen.

Literaturverzeichnis

[1] https://www.health.harvard.edu/staying-healthy/the-dubious-practice-of-detox

[2] Grant, D. M. „Detoxification pathways in the liver.“ Journal of inherited metabolic disease. Springer, Dordrecht, 1991. 421-430.

[3] Siscar, Rosario, et al. „The role of metallothionein and selenium in metal detoxification in the liver of deep-sea fish from the NW Mediterranean Sea.“ Science of the Total Environment 466 (2014): 898-905.

[4] Sears, Margaret E., and Stephen J. Genuis. „Environmental determinants of chronic disease and medical approaches: recognition, avoidance, supportive therapy, and detoxification.“ Journal of environmental and public health 2012 (2012).

[5] Domingo, José L., et al. „Citric, malic and succinic acids as possible alternatives to deferoxamine in aluminum toxicity.“ Journal of Toxicology: Clinical Toxicology 26.1-2 (1988): 67-79.

[6] Huang, Zhiyong, et al. „Growth-inhibitory and metal-binding proteins in Chlorella vulgaris exposed to cadmium or zinc.“ Aquatic toxicology 91.1 (2009): 54-61.

[7] Kim, Mi Joung, et al. „Lemon detox diet reduced body fat, insulin resistance, and serum hs-CRP level without hematological changes in overweight Korean women.“ Nutrition Research 35.5 (2015): 409-420.

[8] Jones, Kevin C., and P. De Voogt. „Persistent organic pollutants (POPs): state of the science.“ Environmental pollution 100.1-3 (1999): 209-221.

[9] Klein, A. V., and H2 Kiat. „Detox diets for toxin elimination and weight management: a critical review of the evidence.“ Journal of human nutrition and dietetics 28.6 (2015): 675-686

[10] Jones, Kevin C., and P. De Voogt. „Persistent organic pollutants (POPs): state of the science.“ Environmental pollution 100.1-3 (1999): 209-221.

[11] Genuis, Stephen J. „Elimination of persistent toxicants from the human body.“ Human & experimental toxicology 30.1 (2011): 3-18.

[12] European Food Safety Authority. „Update of the monitoring of levels of dioxins and PCBs in food and feed.“ EFSA Journal 10.7 (2012): 2832.

[13] UNEP (2012) United Nations Environment Program: State of the Science of Endocrine Disrupting Chemicals. Fromhttp://www.who.int/ceh/publications/endocrine/en/(accessed September 2014)

[14] Jandacek, Ronald J., et al. „Effects of yo-yo diet, caloric restriction, and olestra on tissue distribution of hexachlorobenzene.“ American journal of physiology-Gastrointestinal and liver physiology 288.2 (2005): G292-G299.

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[16] Swan SH (2008) Environmental phthalate exposure in relation to reproductive outcomes and other health endpoints in humans. Environ Res 108, 177–184.

[17] Newbold, Retha R., Wendy N. Jefferson, and Elizabeth Padilla-Banks. „Long-term adverse effects of neonatal exposure to bisphenol A on the murine female reproductive tract.“ Reproductive Toxicology 24.2 (2007): 253-258.

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[20] EFSA Panel on Contaminants in the Food Chain (CONTAM). „Scientific opinion on arsenic in food.“ EFSA journal 7.10 (2009): 1351.

[21] EPA (2014) How People are Exposed to Mercury. From http://www.epa.gov/mercury/exposure.htm (accessed September 2014).

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Über den Autor

Christian Koutny

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